WAR PHOTOGRAPHER
CH 2001, 96 min
R: Christian Frei

 

Fr 9.5.03 22:30 Uhr
Sa 10.5.03
20:00 Uhr
So 11.5.03
22:30 Uhr
Mo 12.5.03
20:00 Uhr

 


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Mit dem Porträt dieses Grüblers und Moralisten konterkariert der Schweizer Regisseur Christian Frei die weit verbreitete und auch durch die Medien immer weiter genährte Meinung, bei Kriegsfotografen und – reportern handele es sich um eine besonders abgebrühte Spezies Mensch. WAR PHOTOGRAPHER weitet sich über das Porträt eines ungewöhnlichen Menschen hinaus zu einem Film, der danach fragt, wohin unsere Welt steuert. Filmdienst Ein unzynischer Reporter Die Dreharbeiten im Kielwasser Nachtweys - übrigens mit Hilfe einer eigens konstruierten, auf Nachtweys Fotoapparat montierten Mikrokamera+Ton - begannen im Mai 1999 in Jakarta. Fortan bestimmte die weltpolitische Krisenlage Zeitpläne und Schauplätze. In Indonesien, in Kosovo, in Palästina. Für Frei und den exzellenten Schweizer Kameramann Peter Indergand hiess das, zwei Jahre lang auf Pikett zu sein. Unter erschwerten Bedingungen, denn von Nachtwey waren weder terminliche noch selbstdarstellerische Konzessionen zu erwarten. “Er hat es uns nie leicht gemacht“, sagt Frei lakonisch und tippt in seiner zurückhaltenden Art an, was an logistischen Problemen und traumatischen Erfahrungen zu bewältigen war. Doch damit war zu rechnen gewesen: Der mehrfach verwundete James Nachtwey ist bekannt dafür, dass er sich noch näher am Gefahrenlimit bewegt als seine Kollegen. Verständlich, dass Frei und Indergand bemüht waren, das Eigenrisiko so tief wie möglich zu halten. Aber ihre Aufnahmen von Strassenkämpfen im palästinensischen Ramallah zeigen, wie dehnbar der Begriff Risiko ist. Dennoch ist „War Photographer“ kein effekthascherisches Doku-Schauspiel geworden. Im Schlussteil führt Frei selber die Kamera und begleitet Nachtwey in die surreal wirkende Szenerie einer indonesischen Schwefelmine, die an die Bildvisionen von Hieronymus Bosch erinnert. Die Eindrücke aus dieser Vorhölle, in einer Luft beissend wie Tränengas, zählen für den Regisseur zu den prägendsten überhaupt: „Es entstand in kürzester Zeit eine unglaubliche Solidarität zwischen den Arbeitern und uns. Und ich spürte eine Seelenverwandtschaft zwischen James Nachtwey und mir.“ Das ist nachvollziehbar. Zwischen den ebenso professionellen wie sensiblen Männern muss bei aller Distanziertheit von Nachtwey eine positive Chemie entstanden sein. Anders lässt sich diese berührende Annäherung an einen besessenen Chronisten des Elends nicht erklären.