SOBIBOR, OCT. 14, 1943, 4PM (OmU)
F 2001, 95 min,
R: Claude Lanzman

 

Fr 28.1. 05, 20:00 Uhr
Sa 29.1.05,
22:00 Uhr
So 30.1.05, 20:00 Uhr
Mo 31.1.05,
22:30 Uhr

 


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Noch ehe der Film beginnt, hören wir über den Credits aus dem Off Yehuda Lerner, wie er Lanzmanns Frage, ob er getötet habe, bejaht. Der Interviewer beharrt auf dem Thema und will wissen, ob der Interviewte schon vor oder nach dem 14. Oktober 1943 getötet habe. "Lo, nie, nein" die Antwort. Später werden wir diesen Interviewausschnitt noch einmal hören, eingebunden in die chronologische Erzählung über den geglückten Aufstand in Sobibor. Lanzmann zeigt uns Bilder des modernen Warschau und Minsk, Waldlandschaften und ins Unendliche gleitende Bahngeleise. Die Kamera fährt diese Landschaften ab, Orte der Vernichtung, deren Geschichte nicht mehr sichtbar ist. Sie wird erst wach und anwesend gehalten durch die Stimme Yehuda Lerners. Es sind nicht die Orte, die sprechen, sondern ausschliesslich die Menschen. Lanzmann hatte dieses Interview ursprünglich vor 17 Jahren für seinen Film SHOAH gedreht. SHOAH jedoch war ein Film über das Sterben, SOBIBOR dagegen ist ein Film über den Kampf und das Leben. Damit nicht der falsche Eindruck eines Erfolgs, einer Heldengeschichte zurückbleibt - denn in der Shoah kann es kein Happy End geben - endet Lanzmanns Film nicht mit der Befreiung von Sobibor. Sondern mit einer Litanei. Mit sonorer Stimme liest Lanzmann die Deportationslisten, die während mehreren Minuten über die Leinwand laufen. Dieser Schluss ist für das Kino eine Zumutung, aber zugleich auch ein angemessener Akt des Gedenkens, eine beeindruckende filmische Form des Gedenkens.