SIAMO ITALIANI
Die Italiener
(OmU)
CH 1964, 79 min
R: Alexander J. Seiler

 

Fr 16.5.03 20:00 Uhr
Sa 17.5.03
23:00 Uhr
So 18.5.03
20:00 Uhr
Mo 19.5.03
22:30 Uhr

 


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Alexander J. Seilers Filmdokument über die harte Arbeit, die unzumutbaren Wohnverhältnisse, den erschwerten Familiennachzug und den tristen Alltag der italienischen Gastarbeiter in der Schweiz ist längst nicht nur als zeitgeschichtliches Zeugnis, sondern auch als empathisches Bild des Mentalitätsunterschieds zwischen Deutschschweizern und Italienern erkannt worden. Die Wiederaufführung steht im Zeichen von Seilers neustem Film, IL VENTO DI SETTEMBRE, der Elemente jenes „Klassikers“ wieder aufnimmt und weiterführt.

Als wir uns im Frühjahr 1963 entschlossen, einen Film über das Leben italienischer Arbeiter in der deutschen Schweiz zu drehen, war die öffentliche Diskussion über das ‘Fremdarbeiterproblem’ eben erst in Gang gekommen: Was mehr als ein Jahrzehnt hindurch als ‘Provisorium’ gegolten hatte, als vorübergehende Begleiterscheinung der Hochkonjunktur, der gegenüber die Haltung des Laisser aller umso angebrachter schien, als man nach allen Grundsätzen der klassischen Zyklenlehre ‘irgendwann’ einen Rückschlag erwarten musste - dieses Provisorium hatte sich endlich doch als Zustand von Dauer entpuppt. Die Wirtschaft lief auf vollen Touren, die Fremdarbeiter waren da und wurden immer zahlreicher, und solange sie ihre Arbeit nicht von zuhause schicken konnten, war es nicht gut möglich, die Fremdarbeiter nachhause zu schicken. (...) Überrascht und anscheinend ganz plötzlich erfuhr die Öffentlichkeit, dass jeder dritte Arbeitnehmer in der Schweiz Ausländer, jeder fünfte Italiener war. Der Alarmruf von der ‘Überfremdung’ ging durch das Land, Organisationen ‘zur Erhaltung der Heimat’ traten auf den Plan, Schmierereien ‘Italiener raus!’ erschienen auf Mauern und Bretterwänden - während gleichzeitig ein einsamer Industrieller die ‘Assimilation’ und schrittweise Einbürgerung von ‘mindestens 150.000’ Fremdarbeitern forderte. Was wussten wir bei alledem wirklich von den Italienern? (...) Zögernd und zunächst ungläubig machten wir die Entdeckung, dass der Italiener in der Schweiz nicht nur politisch sprachlos war, sondern stumm überhaupt: blosses Objekt einer Diskussion, in der seine eigene Stimme nicht gefragt war. Jener Industrielle, der 150.000 Fremdarbeiter zu Schweizern machen wollte - wusste er denn, ob auch nur 50.000 Italiener Schweizer zu werden wünschten? A.J. Seiler, Einleitung zu dem Buch „Siamo Italiani“ (1965).