SENNEN-BALLADE (OmU)
CH 1996, 100 min
R: Erich Langjahr

 

Fr 2.5.03 20:00 Uhr
Sa 3.5.03 22:30 Uhr
So 4.5.03 20:00 Uhr
Mo 5.5.03 22:30 Uhr

 


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„Der Film SENNEN-BALLADE stellt die Frage nach der Identität und versucht so den grossen Widerspruch, in dem wir uns alle befinden, bewusst zu machen. Wer bin ich? Was tue ich?“ Erich Langjahr
Die ZuschauerInnen erleben, ohne Kommentar, den Alltag einer Bauernfamilie im Appenzellerland am Ende des 20. Jahrhunderts. Diese bäuerliche Lebensweise steht in unvereinbarem Gegensatz zur Welt des Neokapitalismus mit seiner Profitmaximierung, des Konsumismus und des Raubbaus an den Ressourcen. Das Dasein der Sennen wird bestimmt vom Wechsel der Jahreszeiten, von den Bedürfnissen des Viehs, vom Rhythmus der täglichen Arbeit. Langjahrs Film schafft Zeit und Raum für die Beobachtung kleinster Details, für das eigene Empfinden und Denken. Er überfällt das Publikum nicht mit einer Kaskade von Reizen, sondern breitet eine komplexe, facettenreiche Wirklichkeit aus. Jede Tätigkeit - sei es die Alpauffahrt oder das Schnitzen einer Kuh - bekommt die Zeit, die sie braucht, um ihren Sinn, ihre Nützlichkeit oder Schönheit wahrzunehmen. Aber dennoch handeln Langjahrs Bauernfilme nicht von der Alpromantik. Vielmehr geht er von der Gewissheit aus, dass in der Reduktion auf das Kleine, das Detail, dass im Ausschnitt sich die Welt erkennen lässt. Insofern glaubt Langjahr an die Kraft des Realen und die Reife der ZuschauerInnen. Denn er plappert nicht über Arbeit, Geduld und Ruhe, er zeigt sie. Dank der sorgfältig durchdachten Montage seines Films gelingt es Langjahr aufzuzeigen, was auf dem Spiel steht, wenn Bauern wie Werner Meile gezwungen werden, sich dem alleinigen Gesetz von Produktion und Rendite zu beugen. Damit verschwände eine Welt, in der die Umwelt schonend genutzt wird und in der Tiere nicht als reine Produktionsmaschinen instrumentalisiert werden. Es verschwände eine Daseinsform, in der Arbeit, Mensch und Tier ihre Identität und Würde besitzen. SENNEN-BALLADE ist ein bildmächtiges Filmepos über die Würde menschlicher Tätigkeit in respektvoll akzeptierter Natur.
„Film kommt vom Bild. Dass Film so geschwätzig geworden ist, hat uns das Fernsehen beigebracht.“ Erich Langjahr