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Paula Paulinka
Deutschland 1995, 62 min

R: Christine Fischer-Defoy / Daniela Schmidt / Caroline Goldie

Christine Fischer-Defoy, Caroline Goldie und Daniela Schmidt haben die 97jährige Sängerin Paula Lindberg-Salomon in Amsterdam besucht. Sie hat ihnen ihre Geschichte erzählt. Die Filmemacherinnen haben Paula Lindberg-Salomon nach Berlin begleitet: zum Gesangsunterricht mit dem Kantor der Jüdischen Gemeinde, Laszlo Pasztor, in ihre frühere Hochschule, an der es seit ihrem 90. Geburtstag den Paula-Lindberg-Salomon-Gesangswettbewerb gibt, und in die Kreuzberger Charlotte-Salomon-Grundschule, die nach ihrer Tochter benannt ist. Die Bilder aus "Leben oder Theater?" von Charlotte Salomon, die zwischen 1940 und 1942 im südfranzösischen Exil entstanden sind und in über 1200 Blättern die Geschichte der Familie Salomon in Form eines "Singespiels" widerspiegeln, bilden eine zweite Ebene des Films: Hier erzählt uns Charlotte Salomon ihre Version der Geschichte von Paula, die sie zärtlich "Paulinka" nennt. Und schliesslich fanden sich bei Sammlern und Verehrern der Sängerin noch einige alte Schellack-Platten aus den 20er und 30er Jahren, die uns eine Ahnung von Paula Lindberg-Salomons warmer Altstimme vermitteln. Der Film folgt den Spuren der Lebensgeschichte dieser aussergewöhnlichen Künstlerin. Archiv-Filmmaterial vom Berlin der 20er Jahre, von der Arbeit des Kulturbundes Deutscher Juden und von der Lebenssituation im "Judendurchgangslager" Westerbork sowie Bilder von Berlin, Leipzig und Amsterdam verdichten sich zu einem sehr persönlichen Porträt einer Frau, deren Lebensbilanz vom Glück und von den Katastrophen unseres Jahrhunderts geprägt wurde, ohne ihren Lebensmut zu brechen: "Man muss nur immer wieder versuchen, das Gute in einem Menschen hervorzuholen, damit es dem Bösen möglichst wenig Raum gibt" - so zieht sie selbst die Summe ihrer Lebenserfahrungen. Freunde der Deutschen Kinemathek

Paula Levy, die Tochter eines Rabbiners, beginnt 1918 zunächst mit einem Mathematikstudium in Heidelberg. Sie besucht aber zugleich die Schauspielschule in Mannheim und nimmt Gesangsunterricht bei Prof. Perron. Von 1926 bis 1930 studiert sie Gesang an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin bei Prof. Siegfried Ochs und Prof. Raatz-Brockmann. Auf Anraten von Ochs und angesichts des zunehmenden Antisemitismus' in Deutschland ändert sie ihren Namen in Paula Lindberg. 1930 heiratet sie Albert Salomon, den Vater von Charlotte. Von 1930 - 1933 Konzerttätigkeit als Altistin unter anderem unter den Dirigenten Furtwängler, Bruno Walter und Otto Klemperer in Berlin. Zugleich singt sie auch im sozialdemokratischen "Volkschor". Nach dem Auftrittsverbot für Jüdinnen arbeitet sie zusammen mit Kurt Singer am Aufbau des Jüdischen Kulturbundes in Berlin mit. Im Februar 1939 emigriert sie gemeinsam mit Albert Salomon nach Holland. Nach dem Einfall der deutschen Truppen werden beide ins KZ Westerbork deportiert. Ihnen gelingt die Flucht aus dem Konzentrationslager, bis zur Befreiung im Mai 1945 leben sie im Untergrund. 1945 kehrt sie nach Amsterdam zurück. Sie übernimmt eine Professur in Salzburg für das Fach "Vom Sprechton zum Sington".