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Nobody´s Business (OmU)
USA 1996, 60 min, Regie, Kamera und Schnitt: Alan Berliner

Eigentlich will Regisseur Alan Berliner nur mit seinem Vater über die Wurzeln der Familie reden, aber der weigert sich. "Who cares?" fragt der 79jährige immer wieder mürrisch und während der Sohn hartnäckig seinen Vater auffordert, sich der gemeinsamen Familiengeschichte und ihrer polnisch-jüdischen Wurzeln zu erinnern, kontert dieser: "My life is nothing. I was in the army, I got married, I raised a family. I worked hard, had my own business, that's all. That's nothing to make a picture about! Who the hell am I?" Mit den unterschiedlichsten Strategien sucht Alan Berliner nach den verdrängten Erinnerungen seines Vaters, ignoriert dessen Sträuben und macht ihn zum widerstrebenden Mittelpunkt einer subtilen Untersuchung über Familiengeschichte und Erinnerung. Es entwickelt sich eine humorvolle und spannende Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn und auch wenn ersterer einige Male droht, das Interview abzubrechen, wird doch immer stärker spürbar, daß sich hinter der Verweigerung auch Lust und Interesse an diesem Gespräch verbergen. Und dann sagt Oscar (das ist der Vater) noch: "You're trying to make something from nothing!", was ich außerordentlich hübsch finde, auf die Schnelle aber nicht mehr in den Text packen kann.