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My Name is Joe

GB 1998, 105 min,
R: Ken Loach

D: Peter Mullan, Louise Goddall, Gary Lewis u.a.
Goldene Palme Cannes 1998 für Peter Mullan als bester Schauspieler

Die Postleitzahl G15 steht nicht gerade für das feinste Viertel Glasgows. Hier lebt Joe, der es geschafft hat, vom Alkohol wegzukommen. Er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und trainiert die schlechteste Fußballmannschaft der Stadt. Zufällig begegnet er der Sozialarbeiterin Sarah. Zwischen den beiden entsteht eine zerbrechliche, vorsichtige Liebe. Joe kümmert sich auf seine Art um die jugendlichen Fußballspieler, vor allem um Liam und dessen heroinsüchtige Freundin. Das Milieu ist ihm vertraut, doch unentwegt macht er Mut, stellt seine Hilfe zur Verfügung, selbst wenn er weiß, daß er damit die Liebe zu Sarah gefährdet. »My name is Joe« zeichnet sich durch Ehrlichkeit und Menschlichkeit aus, mit verblüffend witzigen
Szenen wie aus dem wirklichen Leben. Es sind nicht allein die filmischen Qualitäten, das packende Erzählen in Bildern und das faszinierende Spiel der Stars und der Laien, die »My name is Joe« zu einem tiefen Erlebnis werden lassen. Vor allem ist es diese menschliche Nähe, diese Liebe zu den einfachen Leuten, dieses Angebot einer echten Begegnung, welche einzigartig sind. Ken Loach untersucht seit Mitte der 60er Jahre Geschichte und Gegenwart der britischen Klassengesellschaft mit intelligenten und berührenden Filmen wie »Ladybird, Ladybird«, »Raining Stones« und »Riff-Raff«. Dabei nutzt er feinen Humor und spannende Dramaturgie, ohne je die Würde seiner Figuren preiszugeben. Anschaulich führt er uns die Fragilität eines in Großbritannien längst Normalität gewordenen Zustands vor Augen, in der jede noch so kleine Hoffnung auch gleich wieder in die Brüche gehen kann. Loachs Stärke ist es, daß er weder beschönigt noch Verzweiflung aufkommen läßt.