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Kundun
USA 1997, 135 min, R: Martin Scorsese

B: Melissa Mathison unter Mitarbeit des Dalai Lama
D: Die Rollen wurden fast ausschliesslich mit Exiltibetern besetzt

Ja, der Buddhismus, insbesondere der tibetische hat Konjunktur, auch im Kino. Aber Martin Scorsese schwimmt mit KUNDUN nicht auf dieser kirchentagtauglichen Buddhismuswelle. Nein, seine Nachzeichnung der Lebensgeschichte des 14. Dalai Lama bedient weder die westspirituelle Sehnsucht noch erklärt er uns auf leichtverdauliche Weise buddhistische Riten. Der mit zweieinhalb Jahren entdeckte Bauernjunge Tenzin Gyatso gilt als Verkörperung von Avalokiteshvara (tibetisch: chenrenzig), dem "Bodhissattva des Mitgefühls, des liebevollen Sich-Hinwendens zu allen lebenden Wesen". Martin Scorseses Film ist Meditation, gerade weil er durch die Biographie des Dalai Lama diese Haltung des "liebevollen Sich-Hinwendens" erspürbar macht. Kundun, das Wort, ist die Anrede des Dalai Lama und bedeutet soviel wie "Gegenwart Buddhas". KUNDUN, der Film, zeigt, dass in unserer Welt der Geist des "liebevollen Sich-Hinwendens zu allen lebenden Wesen" in der Verbannung leben muss. Ja, der Buddhismus, insbesondere der tibetische, hat Konjunktur. Hinsehen tut not.

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