DOKTOR SCHIWAGO
USA 1965, 200 min
R: David Lean
Drehbuch: Robert Bolt
Buch: Boris Pasternak
Musik: Maurice Jarre
Kamera: Freddie Young

D.: Omar Sharif, Julie Christie, Geraldine Chaplin, Rod Steiger, Alec Guinness, Tom Courtenay, Siobhan McKenna, Ralph Richardson, Klaus Kinski

Oscars für: Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Kostüme, Musik

 

Fr 19.12.03, 20:00 Uhr
Sa 20.12.03, 20:00 Uhr
So 21.12.03, 20:00 Uhr

Mo 22.12.03, 20:00 Uhr
Mi 24.12.03, 21:00 Uhr

 


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Am 22. Dezember präsentierte David Lean, bekannt für Literaturverfilmungen, sein neues Epos "Doktor Schiwago" in New York, und nun zeigen wir ihn im Dezember zu Weihnachten bei uns. Das RegenbogenKino zeigte vor einigen Jahren D. Leans "Lawrence von Arabien" auch zu Weihnachten. Jetzt haben wir (eine eingeschworene Splittergruppe von Schiwago-VerehrerInnen) es endlich geschafft, in unserem Kinoplenum den Film durchzudrücken. Es gab viele Gegenstimmen: zu sentimental, zu kitschig, zu reaktionär. Trotzdem, er ist für mich einer der wunderschönsten Filme des Gefühlskinos. Für diejenigen, die den Inhalt noch nicht kennen: Jurij Schiwago (Omar Sharif, wirkungsvoll großäugig in die Kamera blinzelnd) wächst, nachdem er bereits als Kind seine Eltern verloren hat, in einer großbürgerlichen Umgebung auf. Nach seinem Medizin-Studium arbeitet er als Militärarzt und wird in die Wirren des I. Weltkrieges und der Russischen Revolution verstrickt. Doch steht im Mittelpunkt dieses Melodramas eine Liebesgeschichte. Die schicksalhafte Begegnung Jurijs mit der schönen Lara (Julie Christie) wird ihm zum Verhängnis. Zerrissen zwischen seiner auch schönen Ehefrau Tonia (Geraldine Chaplin) und der Geliebten Lara, zwischen Verantwortung und Leidenschaft geht Jurij traumwandlerisch sicher seinem Ende entgegen. Als ich im zarten Kindesalter den Film auf der großen Leinwand sah, habe ich sicher eine Packung Taschentücher benötigt. Beim Lesen von Pasternaks Roman konnte ich wegen der schwabbelnden Tränen die Zeilen nicht entziffern. Mit seinen prächtigen Schneelandschaften, dem märchenhaften Landhaus, in dem Lara und Jurij einen gemeinsamen Winter verbringen, mit seiner traurigen Musik ist das ein Film für die Leinwand. Er ist sentimental, er mag auch reaktionär sein, aber wer Lust hat auf 200 Minuten leiden, hoffen und bangen mit Lara, Tonia und Jurij, der soll dieses besondere Ereignis bei uns keinesfalls verpassen. Denn jede große Liebe ist eine unglückliche Liebe, muss es aber nicht sein ... so romantisch veranlagt sind wir heute leider nicht mehr.