*

Charlotte- Vie ou theatre?
Schweiz 1992, 58 min, R: Richard Dindo

"Heben sie das gut auf, es ist mein ganzes Leben". Mit diesen Worten übergab Charlotte Salomon, unmittelbar bevor sie von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde, im September 1943 einer Amerikanerin in Villefranche einen Koffer. In diesem befanden sich über 700 Bilder - Charlottes Gesamtkunstwerk "Vie oú théatre?" Mit neun Jahren verliert Charlotte 1926 ihre Mutter durch Selbstmord. 1930 heiratet ihr Vater die Sängerin Paula Lindberg. Aufgrund antisemitischer Anfeindungen verlässt Charlotte noch vor dem Abitur das Fürst-Bismarck-Gymnasium in Charlottenburg. 1936 wird sie als Studentin an der Schule für freie und angewandte Kunst in Berlin zugelassen, muss aber die Hochschule, weil sie Jüdin ist, schon im Wintersemester 1937/38 wieder verlassen. Sie emigriert 1939 zu ihren Grosseltern nach Südfrankreich. Nach einer vorübergehenden Internierung im Lager Gurs beginnt sie die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend zu malen und schafft zwischen 1940 und 1942 den autobiographischen Bilderzyklus "Leben oder Theater?". Kurz bevor sie von der Gestapo verhaftet wird heiratet sie 1943 den Emigranten Alexander Nagel. Es gelingt ihr, ihre Bilder zu retten, sie selbst wird nach Auschwitz deportiert. Der Tag ihrer Ermordung ist unbekannt Richard Dindo rekonstruiert in CHARLOTTE - VIE OU THEATRE? das Leben von Charlotte Salomon. Dazu hat er eine Auswahl aus ihren 767 Bildern getroffen, ergänzt durch einige Photographien aus der damaligen Zeit und heutige Filmaufnahmen der Orte des Geschehens. Der Film, aufgebaut nach der "Logik der Erinnerung", dokumentiert ein Werk, das nicht nur künstlerisch interessant ist, sondern ein Leben wie in einem Theaterstück oder einem Film festgehalten hat. Eine interessante Dokumentation, deren Qualitäten vor allem in den kurzen Einschüben assoziierter Landschaftsbilder liegen, die die Gefühlswelt der Malerin illustrieren.