WIR BERGLER IN DEN
BERGEN SIND EIGENTLICH NICHT SCHULD, DASS WIR DA SIND
(OmU)
CH 1974, 108min
R: Fredi M. Murer

 

Fr 30.5.03 22:00 Uhr
Sa 31.5.03
20:00 Uhr
So 1.6.03
22:00 Uhr
Mo 2.6.03
20:00 Uhr

 


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1. Göschener Tal: „Es muss eine ganz andere Änderung geben, im ganzen Ding da.“
2. Schächental: „Diese Kinder haben bereits die Leidenschaft vom Älplerwesen geerbt...“ 3. Maderanertal: „Aber wir sagen uns manchmal hier oben, wir sind so Bürger 2. Klasse.“ „Die Gliederung des Films in 3 Sätze ist wörtlich wie musikalisch zu verstehen; also auf den Inhalt und die Form bezogen. Titel und Untertitel sind Zitate von Bergbauern. Sie, die Bergler stehen im Mittelpunkt des Films und ausschliesslich sie haben das Wort. Der Film vermittelt also Rohmaterial, Informationen aus erster Hand. Mein ursprünglich geplantes Projekt, Urner Sagen zu verfilmen hatte einen engen Zusammenhang mit meiner in Uri verbrachten Kindheit. Dass ein ethnographisch orientierter Film daraus wurde, ist der Tatsache zuzuschreiben, dass meine Begegnung mit der heutigen Wirklichkeit der Bergler mich während des Recherchierens weit mehr faszinierte, als ihre Sagen und Mythen zu rekonstruieren. Während meiner Recherchenarbeit bei den Urner Bergler bin ich immer wieder auf trotziges Schweigen gestossen und oft habe ich auf Fragen, die ihre eigenen Probleme betroffen haben, die abweisend-verunsicherte Antwort bekommen: Fragen sie da lieber einen Studierten. Sie glauben bereits selber daran, dass die anderen es besser wissen, die Besserwisser. Eine urnerische Persönlichkeit hat mir gesagt, wann man einen unbequemen Bergler loshaben wolle, müsse man nur anfangen, mit ihm schriftlich zu verkehren. Er würde verstummen. Stumm sind sie nicht, das kann der Film beweisen, aber manche haben das Gefühl, dass sie als solche behandelt werden, und mit der Zeit verinnerlicht sich dieses Gefühl. Wir sogenannten Kulturträger sind durch unsere Code-Sprache an der Bewusstseins-Unterdrückung dieser Bevölkerungsschicht mehr beteiligt, als wir wahrhaben wollen. Mit Individuen, denen das Selbstbewusstsein abgenommen ist, lässt sich noch lange auf Demokratisch machen. Demokratie, wie sie von denen verstanden wird, die dank ihrer Machtstellung das Bewusstsein nicht von selbst verlieren.