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Auszeit - L'emploi du temps (OmU)
Frankreich 2000, 128 min

R: Laurent Cantet D: Aurelien Recoing, Karin Viard

Wahrscheinlich hat jeder schon einmal diesen Wunsch verspürt: am Morgen den Bus vorbei fahren zu lassen, oder ganz woanders auszusteigen, oder einfach weiter zu laufen. Statt die Tür der Fabrikhalle, des Büros, der Schule hinter sich zu schließen. Vincent hat sich entschlossen, nicht mehr zu funktionieren. Seine Rolle als Ernährer der Familie erfüllt er auf seine Art weiter. Das erfordert ein immer komplizierteres Geflecht aus Lügen. Lösungswege, die der Film andeutet, sind für ihn nicht gangbar. Der französische Filmtitel erklärt, worum es hier geht: "die Beschäftigung der Zeit" - wer strukturiert unsere Zeit, wo ist, in einer hoch arbeitsteiligen Gesellschaft, die Verbindung zwischen der zwangsweise an einem Arbeitsplatz verbrachten Zeit und den Gütern, die wir wirklich zum Leben brauchen. Fragen, die sich auch hierzulande aufdrängen, wenn selbst einer rot-grünen "Reform"-Regierung zur Frage der Arbeitsgesellschaft nichts Besseres als ein Hartz-Papier einfällt. Schade, dass die Feuilletons ihn fast ohne Ausnahme verschlafen haben, einen der wichtigsten Filme dieses Jahres.