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Der Apfel
Iran 1999, 86 min, R: Samira Makhmalbaf

D: Massoumeh Naderi, Zahra Naderi, Ghorbanali Naderi

Der Film beruht auf einer wahren Geschichte. Ein Elternpaar hält seine beiden 12 jährigen Zwillingstöchter seit ihrer Geburt im Haus eingesperrt. Eine von Nachbarn alarmierte Sozialarbeiterin versucht nun die Eltern davon zu überzeugen, dass es so nicht geht. Erzählt wird diese tragische Geschichte wie ein Märchen, leicht und humorig. Eine 18jährige Frau filmt eine Frau, die zwei 12jährige "kleine Frauen" befreit (im Iran gilt ein Mädchen mit achteinhalb Jahren vor dem Gesetz als Erwachsene). Ist DER APFEL von Samira Makhmalbaf, wie die Inhaltsangabe nahelegt, nur ein weiterer feministischer Film? Er ist mehr als das. Diese außergewöhnliche, feminine "Nahaufnahme" ist vor allem ein ganz und gar humanistischer Film. Die junge Filmemacherin fällt kein Urteil über die Eltern, die ihre Töchter einsperren. Sie zeigt eine auch im Haus stets tief verschleierte Mutter (ihr Gesicht wird im Film nie sichtbar), die von Natur aus blind ist, und einen Vater, den seine elende Lage und die starren Regeln einer patriarchalischen Kultur blind gemacht haben. Der alte Mann wiederholt stumpf, was ihn die traditionelle iranische Gesellschaft gelehrt hat: "Meine Töchter sind wie Blumen. Sie dürfen nicht ins grelle Sonnenlicht, sonst verwelken sie..." Shahala Mossavar-Rahmani